Didi Drobna – Karl-Markus Gauß –Michal Hvorecký
Didi Drobna: Ostblockherz. Piper Verlag, 2025
„Ich beschleunigte meinen Schritt. Die nebelige Stadt bot keinen Anlass zu wohligen Gefühlen. Ich spürte, wie der Trübsinn Fahrt in mir aufnahm. Mir fehlte der Schnee, mir fehlte der Frost, diese kalte Schicht, die sich sonst irgendwie lindernd über mein aufgebrachtes Herz und Hirn legte. Aber ich spürte auch Zufriedenheit. Ich würde gemeinsam mit meinen Eltern und mit meinem Bruder eine Reise antreten. Wir stolpern durchs Leben, und dann sind wir weg, dachte ich. Ich wollte, ich musste, ich würde noch ein Stück mit meiner Familie zusammen stolpern.“
Karl-Markus Gauß: Die Liebe kommt immer zu spät. Drei Reisen. Zsolnay, 2026
„Wie können die Menschen hier zusammenleben, miteinander oder immerhin nebeneinander? Vor dem Rathaus, einem beeindruckenden Bau im maurischen Stil des Historismus mit rot-weißer Fassade, stehen in einem kleinen Park drei Denkmäler. Auf dem ersten wird der bosniakischen, auf dem zweiten der kroatischen, dem dritten der serbischen Opfer des Krieges gedacht. Jeder darf seiner Opfer gedenken, jede Gruppe tut es, indem sie nur ihrer eigenen Opfer gedenkt. Und auf keinem der drei Denkmäler wird gesagt, wer die Täter waren, die sie zu Opfer machten.“
Michal Hvorecký: Dissident. Tropen, 2026
„Am sichtbarsten ist der Protest auf der Straße. Es regt sich Widerstand gegen die Regierung, der von der Kulturszene geprägt wird. Seit September 2024 sind in der Slowakei mehr als 4000 Kulturschaffende in Streikbereitschaft getreten. Die Menschen demonstrierten gegen grassierende Korruption, Inflation, eklatante Misswirtschaft und zunehmende staatliche Willkür. Überall wehen Europa- und Ukraineflaggen. Mit diesem Widerstand hat die Regierung nicht gerechnet, nicht mit dem Mut, dem Stolz und der Sehnsucht nach Freiheit, nicht damit, dass die Gesellschaft solidarisch zusammenhält, dass sie Haltung wahrt und sich klar positioniert.“
EINTRITT
- Eintritt: 15,00 Euro
- Jugendliche bis Jahre 18 frei